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Der Nordirak wartet auf Touristen
kurd-forumDatum: Sonntag, 15.03.2009, 22.30.50 | Nachricht # 1
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"Bestes Wetter, schöne Landschaft und uralte Geschichte": So wirbt der Nordirak um Touristen aus den USA. Auch auf Reisende aus Deutschland hofft der zuständige Minister. Auf der weltgrößten Tourismusmesse ITB ist der Irak aber nicht vertreten - noch nicht.

Von Ulrich Leidholdt, ARD-Hörfunkstudio Amman

Die Botschaft ist ernst gemeint: Der Irak steigt ins Tourismus-Geschäft ein. Die ersten Werbevideos laufen schon und zwar ausgerechnet im US-Fernsehen. Urlaub in Bagdad, Basra oder Falludscha? Das nun gerade nicht, aber in den drei kurdischen Provinzen. Die haben dafür mit Nimrud Youkhana sogar ihren eigenen Minister.
"Schöne Landschaft, bestes Wetter , uralte Geschichte"
Dem Auftrag entsprechend wirbt Youkhana für Reisen in die Region: "Wir haben eine sehr schöne Landschaft, bestes Wetter im Sommer wie im Winter und eine uralte Geschichte. Der Irak ist die Wiege der Zivilisation und multikulturell. Die Leute hier sind sehr großzügig und freundlich zu Ausländern."

Das allein kann westliche Urlauber kaum in den Nordirak locken. Einheimische dagegen schon, sofern sie Anschlägen und Attentaten im Rest des Landes mal für ein paar Tage entgehen wollen und können. Bei Ausländern in der relativ ruhigen Region, so groß wie die Schweiz, handelt es sich meist um Investoren, die am Aufbau verdienen wollen, Diplomaten und Sicherheits-Personal.
"Die kurdische Region ist sicher"

Deutsche lassen sich in diesem Gebiet derzeit noch an zwei Händen abzählen. Einer davon ist Gunter Völker, der seit drei Jahren eine Kneipe in Arbil betreibt und den Irakisch-Kurdistan begeistert: "Kurdistan hat unwahrscheinlich viele Sehenswürdigkeiten und die Landschaft, die wirklich atemberaubend ist. Ich brauche nicht in den Grand Canyon zu fliegen. Ich habe Wasserfälle, Berglandschaften, Halbwüste – ich habe alles hier vor Ort.

Wir sind hier in Mesopotamien an der Wiege der Zivilisation. Dinge, die zumindest für geschichtsorientierte Touristen interessant sind. Und das sollte man nie vergessen: Die kurdische Region ist sicher. Aber bitte, auch nur die kurdische Region."
Betonwälle, Wachen und Kontrollen schrecken ab

Genau das ist das Problem: Westliche Länder, auch Deutschland, warnen vor Irak-Reisen. Der Hinweis, im Norden gebe es keine konkrete Gefahr, zieht da eher wenig. Dabei heißt es auch, dass seit dem US-Einmarsch vor sechs Jahren hier kein einziger Ausländer entführt oder getötet worden sei.

Betonwälle rund um Hotels, bewaffnete Wachen und Straßen-Kontrollen sprechen eine andere Sprache. Das erkennt auch Tourismusminister Youkhana trotz aller Pläne: "Kurdistan mag zwar der andere Irak sein, aber natürlich sind auch wir ein Stück Irak. Für Ausländer ist das alles eins. Wir glauben aber, wenn es im restlichen Irak sicherer wird, dann ist das auch für uns von Vorteil."
Touristische Highlights - aber kaum Infrastruktur
Schneebedeckte Berge, atemberaubende Schluchten oder die Wasserfälle in Gali Ali Beg, jahrtausende alte christliche und jüdische Siedlungen wie Amadiya oder die Zitadelle von Arbil, Museen und Ausgrabungen: Der Nordirak bietet viel für das Auge, aber es fehlt die Infrastruktur. Andere Länder der Region sind da weiter.

"Wenn Sie Leute für Ihr Land interessieren wollen, müssen Sie für zweierlei sorgen", sagt Tourismusminister Youkhana. "Die Qualität muss vergleichbar sein mit anderen Zielen, in unserem Fall also der Türkei, Syrien, Jordanien oder dem Libanon. Und dann müssen Preise und Leistung fair sein."
Es fehlen Wasser und Strom

Doch es fehlen nicht nur vernünftige Hotels, Restaurants oder kundige Touristen-Führer. Die meisten der dreieinhalb Millionen Kurden warten seit Jahren auf eine stabile Strom- und Wasserversorgung, um nur das Wesentliche zu nennen.

Für Taman Shakir, die für das Goethe-Institut in Arbil arbeitet, sind deshalb Ideen wie Skipisten, Golfplätze oder Rafting in Kurdisch-Irak Hirngespinste: "In Zukunft könnte es sein, aber zurzeit haben wir Stromprobleme und andere Sorgen. Unsere Hotels sind teurer als in Deutschland. Es gibt zwar viele schöne Plätze und Kurdistan bietet eine andere Kultur, andere Geschichte und anderes Essen, aber zurzeit sind wir für Tourismus nicht fähig."
Reisen aus Deutschland in den Irak?

Das muss auch der Minister einräumen, der immerhin 400 Angestellte mit der Vermarktung des unbekannten Reiseziels beschäftigt. "Jetzt ist das natürlich noch Zukunftsmusik, das ist ein Langzeitprojekt. Den Vorsprung der anderen können wir nicht in einem, zwei oder fünf Jahren aufholen", sagt Youkhana. "Aber wir sind ganz gut gestartet und wenn wir unsere Vision behalten, dann könnte es schneller gehen." Und ganz Mutige waren auch schon da: Eine Reise-Gruppe aus Kalifornien mit insgesamt 18 Leuten.

Deutsche sind noch nicht so weit. Das soll sich ändern, meint Youkhana: "Ich glaube, die Zeit ist reif. Die Amerikaner könnten das auch für deutsche Gruppen organisieren. Und dann gibt es in Deutschland ja auch eine große kurdische Gemeinde. Wenn da zwei oder drei ein Reisebüro aufmachen, könnten sie Touristen herbringen. Ich glaube das dauert nicht mehr so lange."
Rückkehr auf die ITB?
Bei der weltgrößten Reisemesse, der Internationalen Tourismusbörse in Berlin, präsentieren sich dieses Jahr 180 Nationen: Der Irak ist nicht dabei und auch nicht sein kurdischer Norden. Die erste Messe 1966 sah den Irak noch als eines der fünf Gründungsmitglieder. "Neue Urlaubsziele in neuen Kontinenten" hieß damals ein Thema. 43 Jahre später träumt man im Irak zumindest wieder davon.

Quelle:tagesschau.de


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