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Die PKK reicht der Türkei den Ölzweig
ZiyadDatum: Dienstag, 21.07.2009, 18.57.41 | Nachricht # 1
Hevalê Heja
Gruppe: Benutzer
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Die PKK reicht der Türkei den Ölzweig
Der Chef der kurdischen Rebellen will den Konflikt friedlich lösen

Sowohl die irakischen Kurden wie die Türkei wollen künftig eine grössere Rolle bei der Energieversorgung Europas spielen. Der Stachel im Fleisch ist die türkisch-kurdische PKK. Nun bietet der Guerillachef Murat Karayilan Ankara die Hand zum Frieden.

«Es ist an der Zeit, den Krieg zu beenden», sagt Murat Karayilan. «Wir wollen die kurdische Frage mit friedlichen und demokratischen Mitteln lösen.» Karayilan ist seit ein paar Jahren der unumstrittene Chef der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK). Er ist der wohl meistgesuchte Mann der Türkei. Seit nunmehr knapp 25 Jahren kämpfen die Rebellen gegen die Türkei, der Krieg hat schätzungsweise 30'000 Menschenleben gefordert. Der Konflikt ist eines der grössten Hindernisse auf dem Weg der Türkei nach Europa, aber auch bei den Bemühungen der irakischen Kurden um eine Annäherung an den nördlichen Nachbarn. Doch nun könnte Bewegung in die verhärteten Fronten kommen. Noch nie hat die PKK so deutliche Signale ausgesendet, dass sie bereit ist, die Waffen niederzulegen.

Die Schweiz als Beispiel

«Die kurdische Frage in der Türkei ist ein gesellschaftliches Problem», sagt Karayilan im Gespräch mit der NZZ. «Zu seiner Lösung braucht es keine Waffen, sondern politische und rechtliche Massnahmen.» Dabei bekräftigt er die Abkehr der PKK von ihrer Forderung nach einem eigenständigen kurdischen Staat. «Wir wollen die Türkei nicht spalten», sagt Karayilan. Vielmehr strebe die PKK eine demokratische Lösung innerhalb der türkischen Grenzen an. Der heute 52-jährige Karayilan gehört zur Gründergeneration der PKK, für die Türkei ist er deshalb ein Terrorist. In den letzten 25 Jahren hat er die Türkei an vorderster Front bekämpft. Statt von Krieg spricht Karayilan jetzt jedoch von einer Roadmap für den Frieden und von Versöhnung.

Ankara müsse das Existenzrecht der Kurden anerkennen, sagt Karayilan. Neben kulturellen Rechten müsse Ankara den Kurden im Südosten der Türkei eine «demokratische Autonomie» einräumen. Als Modelle dafür nennt er Katalonien, das Baskenland, Schottland, aber auch die Schweiz. «In Europa gibt es viele Beispiele für das friedliche Zusammenleben von verschiedenen Kulturen in einem Land», sagt Karayilan. «Wir wollen nur, dass die gleichen Rechte, die in Europa gelten, auch für uns Kurden gelten.» Im Gespräch bezeichnet er die Forderungen als Teil einer umfassenden Versöhnungsinitiative, die Türken und Kurden einen dauerhaften Frieden brächte.

Wir treffen Karayilan an einem geheimen Ort in den Kandilbergen im Nordirak. Von hier aus hat die PKK-Guerilla in den letzten Jahren immer wieder Angriffe auf das Nachbarland verübt. Um den Weg für eine friedliche Beilegung des Konflikts zu ebnen, haben die Rebellen einen Mitte April verkündeten Waffenstillstand jetzt bis zum 1. September verlängert. Mitte August soll der Parteichef Abdullah Öcalan die Einzelheiten der Roadmap bekanntgeben. Zwar sitzt Öcalan seit zehn Jahren auf der Gefängnisinsel Imrali in Haft. Da er von den PKK-Anhängern aber wie ein Heiliger verehrt wird, ist dies wohl der Weg, um die eigenen Reihen zu schliessen.

Kurdisches Gas für Nabucco?

Die Friedensofferte von Karayilan kommt zu einem kritischen Zeitpunkt in der Region. Der amerikanische Präsident Barack Obama will die Truppen aus dem Irak abziehen. Und sowohl die Türkei wie der Irak wollen künftig eine grössere Rolle bei der Energieversorgung von Europa spielen. In der vergangenen Woche haben Ankara und vier EU-Staaten ein Regierungsabkommen zum Bau der Gaspipeline Nabucco unterzeichnet. Die geplante Pipeline führt freilich nicht nur durch die Unruhegebiete im Südosten der Türkei, sondern soll auch mit Erdgas aus dem Nordirak gespeist werden. Zwei der Nabucco-Betreiber, die österreichische OMV und die ungarische Mol, haben sich kürzlich mit jeweils 10 Prozent bei den beiden Firmen eingekauft, die im kurdischen Teilstaat mit der Förderung von Erdgas begonnen haben. Die Gasfelder in Kurdistan könnten mehr als ein Viertel der geplanten Kapazität von 31 Milliarden Kubikmetern liefern und damit die Wirtschaftlichkeit der Pipeline deutlich verbessern, heisst es in Wirtschaftskreisen.

Kurdische Politiker im Irak wollen die Beziehungen mit Ankara weiter ausbauen, mancher spricht gar von einem Anschluss an die Türkei, sollte der Irak zerfallen. Das Letzte, was Ankara jedoch will, sind neue Grenzen. Doch auch dort gibt es Anzeichen dafür, dass man nach einer pragmatischen Lösung sucht. Während seines Staatsbesuchs in Bagdad im März traf sich der türkische Staatspräsident Abdullah Gül erstmals auch mit Vertretern der kurdischen Regionalregierung. Nach der Feuerpause der PKK hat die Türkei ihre Angriffe im Nordirak eingestellt.

Es gebe derzeit zwei Strömungen in der türkischen Staatsführung, sagt Karayilan. Die eine Seite wolle die kurdische Frage auf politischem Weg lösen, die andere setze jedoch weiterhin ausschliesslich auf Gewalt. «Wir wollen die Tür für eine friedliche Lösung öffnen», sagt Karayilan. «Lassen wir die Waffen schweigen.» Sollte Ankara die Friedensofferte jedoch ausschlagen, droht der Rebellenchef mit neuer Gewalt.

Quelle: 20. Juli 2009, Neue Zürcher Zeitung


Der Vorteil der Klugheit liegt darin, daß man sich dumm stellen kann. Das Gegenteil ist schon schwieriger.

by Ziyad

Mitteilung wurde bearbeitet von Ziyad - Dienstag, 21.07.2009, 18.57.58
 
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